„Wir konnten an dieser Ausbildung wachsen“
WANGEN/ACHBERG – Im barock funkelnden Rittersaal des Schlosses Achberg haben 14 Absolventinnen und Absolventen der Pflegeschule Wangen ihre Zeugnisse erhalten. Gleich zwölf der neuen Pflegefachkräfte absolvierten den praktischen Teil der Ausbildung am Westallgäu-Klinikum Wangen, also an der Oberschwabenklinik, zwei bei den Fachkliniken Wangen, die zu den Waldburg-Zeil-Kliniken gehören. Alle haben bereits eine feste Anstellung gefunden.
Dankbar und stolz blickte Schulleiterin Dorothee Maurer auf den Jahrgang zurück. „Sie haben ihr Wissen von Beginn an wie ein Netz ausgebreitet und es immer dichter gesponnen. Und Sie haben, ohne dass Sie es geplant haben, auch viel von Patienten, Bewohnern und Kunden gelernt. Sie hatten unmittelbaren Kontakt zu vielen Lebensverläufen und -erfahrungen und haben unzählige Menschen begleitet: ängstliche, mutige, fröhliche, traurige, hoffnungsvolle, hoffnungslose, schmerzgeplagte, dankbare, anspruchsvolle, zufriedene, fordernde, genügsame, stille, laute, schweigsame, gesprächige. Sie haben sich auf jeden neu eingestellt, getreu unseres Leitsatzes: Der Mensch ist und bleibt Mittelpunkt all unseres Tuns und Handelns.“
Gleich drei Schülerinnen durfte Dorothee Maurer zur Traumnote 1,0 gratulieren, eine Auszubildende muss einen Prüfungsteil wiederholen „und wird sicher in ein paar Monaten zu uns stoßen“, sagte die Schulleiterin. Besonders glücklich war sie über die Resultate einer internen, anonymen Umfrage unter den nun examinierten Fachkräften. „Alle erklärten, dass Sie Ihre Ausbildung wieder bei uns machen würden. Sie fühlten sich von uns wertgeschätzt und gefördert.“
Personalleiter Raimund Alker überbrachte die Glückwünsche der Geschäftsführung der Oberschwabenklinik. „Sie als Absolventen werden heute endlich gesehen, so wie Sie Ihre Patienten in den letzten drei Jahren gesehen haben, mit Fürsorge: Ich sehe, wo Du bist, ich sehe, wo Du stehst, und ich nehme Dich dabei an der Hand.“ Renate Kurzmann, Ausbildungsbeauftragte am Westallgäu-Klinikum, dankte den Absolventen auch im Namen von Sarah Huber, Leitung Pflege- und Prozessmanagement in Wangen und sprach ihnen Mut zu: „Wir brauchen Ihre Impulse, um die Pflege der Zukunft zu gestalten. Bringen Sie Ihre Ideen ein, verändern Sie Abläufe und vertrauen Sie auf Ihre Kompetenz. Sie haben eine hochqualifizierte Ausbildung absolviert und das Fundament dafür. Vergessen Sie bei allem Elan aber nie, auch gut auf sich selbst zu achten. Nur wer gut für sich sorgt, kann auch stark für andere sein.“
Auch Stefan Richter, Klinikdirektor der Fachkliniken Wangen, zollte den neuen Fachkräften seine Achtung: „Sie können sich alle sicher sein, dass Sie gebraucht werden“, erklärte er. „Trotz aller Robotik und Künstlicher Intelligenz ist die Pflege am Menschen nur mit menschlicher Mitarbeit, mit Menschlichkeit und Empathie sinnvoll und auch effektiv. Ich habe keine Angst, wenn ich an die Pflege denke oder das Wort Pflegekrise höre. In Baden-Württemberg gibt es derzeit 19 000 Pflege-Auszubildende, knapp 8000 haben im Vorjahr eine neue Ausbildungsvereinbarung unterschrieben. Beides sind Rekordzahlen.“ Die Absolventinnen und Absolventen sollten stolz auf sich sein, betonte der Klinikdirektor: „Auch wenn die drei Jahre sicher nicht immer einfach waren: Sie haben es durchgezogen, Sie haben es geschafft und halten nun ein international anerkanntes Zertifikat in den Händen. Viele Pflegekräfte aus dem Ausland müssen für eine entsprechende Anerkennung einen aufwendigen Weg durchlaufen. Sie haben also allen Grund zu feiern!“
Die Pflegefachkräfte selbst, die von ihren Ausbildungsträgern mit Rosen und Geschenken bedacht wurden, bedankten sich ihrerseits mit Blumen und liebevollen Worten. Kurssprecherin Hanna Paprotny erklärte: „Wir haben gespürt, wie schön es sein kann, Menschen mit all ihren Ecken und Kanten und allen Facetten ihrer Persönlichkeit zu pflegen und zu begleiten. Hundert Jahre alte Hände zu halten und Geschichten aus einem bereits so langen Leben zu hören, das so völlig anders war als das, was wir heute kennen. Aber eben auch frisch auf die Welt gekommenes Leben zu begrüßen und uns an diesen kleinen Händchen, die gerade so eben einen Daumen umfassen können, zu erfreuen. Wir konnten an dieser Ausbildung wachsen.“







