Westallgäu-Klinikum und Realschule Wangen starten Bildungspartnerschaft

Im Bild von links nach rechts: Ludwig Reichelt, Michael Kaleja (beide Pflege- und Prozessmanagement Westallgäu-Klinikum), Nadine Ade (zentrale Praxisanleiterin), Realschülerinnen der Klasse 9 mit dem Wahlpflichtfach AES sowie Rektor Heiko Kloos.

Im Bild von links nach rechts: Ludwig Reichelt, Michael Kaleja (beide Pflege- und Prozessmanagement Westallgäu-Klinikum), Nadine Ade (zentrale Praxisanleiterin), Realschülerinnen der Klasse 9 mit dem Wahlpflichtfach AES sowie Rektor Heiko Kloos.

Wie fühlt sich der Alltag in einer Klinik an? Was passiert hinter den Türen eines Operationssaals? Und welche beruflichen Wege stehen jungen Menschen im Gesundheitswesen offen? Antworten darauf sollen Schülerinnen und Schüler der Wangener Johann-Andreas-Rauch-Realschule künftig direkt im Westallgäu-Klinikum bekommen. Klinik und Schule haben eine offizielle Bildungspartnerschaft vereinbart. Ihr Ziel: Berufsorientierung und Praxis zu vereinen und den Austausch zwischen den Partnern nachhaltig zu festigen und zu stärken.

 

Mehr als 800 Schülerinnen und Schüler besuchen die Realschule. Sie sollen künftig von festen Ansprechpartnern im Klinikum, regelmäßigen Begegnungen und gezielt organisierten Praktikumsmöglichkeiten profitieren. Für die Klinik ist die Kooperation zugleich eine Chance, junge Menschen früh für die Arbeit im Gesundheitswesen zu interessieren – und vielleicht für einen späteren beruflichen Weg in Wangen zu gewinnen.

 

Vom Klassenzimmer direkt in die Klinik

 

Wie anschaulich und anfassbar Berufsorientierung sein kann, zeigte sich bereits bei der Unterzeichnung der Vereinbarung. Rektor Heiko Kloos (im Bild rechts) brachte 16 Schülerinnen der neunten Klasse mit, die das Wahlpflichtfach AES (Alltagskultur, Ernährung und Soziales) belegen. Dort stehen auch Themen wie Erziehung und Pflege auf dem Lehrplan. Bei einem Rundgang durch die Klinik erhielten die Schülerinnen Einblicke in die Geburtshilfe und besichtigten auch einen Operationssaal.

 

Für Ludwig Reichelt aus dem Team Leitung Pflege- und Prozessmanagement am Westallgäu-Klinikum (im Bild links) ist genau dieser direkte Kontakt entscheidend. „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit der Realschule Wangen und laden jede Schülerin und jeden Schüler aus Wangen und Umgebung herzlich dazu ein, bei uns hineinzuschnuppern und unsere Klinik kennenzulernen“, sagte Reichelt. Dabei gehe es nicht nur darum, einzelne Berufe vorzustellen. Die Jugendlichen sollten auch erleben, wie Patienten versorgt und therapiert werden, wie die Abläufe im Krankenhaus funktionieren und unterschiedliche Aufgaben ineinandergreifen. Auch die Vielfalt der Ausbildungswege neben der klassischen Pflegefachausbildung möchte die Klinik aufzeigen. Wer sich für eine Lehre bei der OSK entscheidet, kann sich zudem permanent fachlich weiterentwickeln und Zusatzqualifikationen erwerben.

 

Mit der neuen Vereinbarung werde der bereits bestehende gute Austausch intensiviert, sagte Ludwig Reichelt. Nach der Gemeinschaftsschule sei die Johann-Andreas-Rauch-Realschule die zweite städtische Schule, mit der das Westallgäu-Klinikum eine vertraglich geregelte Bildungspartnerschaft eingehe. Viele Mitarbeitende hätten die Schule einst selbst besucht oder eine besondere Beziehung zu ihr.

 

Win-Win-Situation für beide Seiten

 

Praktika im Westallgäu-Klinikum waren für die Schülerinnen und Schüler schon bisher möglich. Nun soll die Zusammenarbeit systematisch organisiert werden. Statt einzelne Anfragen unabhängig voneinander zu bearbeiten, wollen Schule und Klinik ihre Aktivitäten künftig eng abstimmen, Bedarfe früh erkennen und Praktikumsmöglichkeiten gezielter planen.

 

„Wir haben schon einige Kooperationspartner, nur unser städtisches Krankenhaus hat uns offiziell noch gefehlt und damit eine wichtige Institution in der Stadt, weil wir den Schülerinnen natürlich auch Praktikumsplätze in sozialen Berufen mit großer Sinnhaftigkeit ermöglichen und anbieten möchten“, sagte Rektor Heiko Kloos. Gerade in diesen Feldern sei es wichtig, jungen Menschen praktische Erfahrungen zu ermöglichen und ihnen Tätigkeiten näherzubringen, deren Bedeutung sie im Schulalltag oft nur theoretisch kennenlernen.

 

Die Partnerschaft sei ein Gewinn für beide Seiten. Das Klinikum kann sich künftig direkt an der Schule vorstellen. Umgekehrt profitieren die Lehrkräfte vom fachlichen Austausch mit einem großen Arbeitgeber vor Ort – etwa bei Fragen zu Bewerbungstrainings, beruflichen Anforderungen und den Vorkenntnissen, die für einen erfolgreichen Einstieg hilfreich sind.

 

Für die Realschule sei die Kooperation Teil einer praxisnahen Berufsorientierung, sagte Kloos. Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur über Berufe lesen, sondern eigene Eindrücke sammeln, Fragen stellen und herausfinden, welche Tätigkeiten zu ihren Talenten, Interessen und Fähigkeiten passen. „Und wenn man einen Arbeitsplatz vor der Haustür finden kann, ist das umso besser.“ Das Klinikum wiederum möchte frühzeitig Kontakte zu potenziellen Nachwuchskräften aufbauen. Besonders die Pflegeausbildung bietet jungen Menschen mit einem guten Realschulabschluss einen möglichen Einstieg in einen Beruf mit vielfältigen Entwicklungs- und Weiterbildungsperspektiven.

 

„Der Blick über den Tellerrand ist wichtig für uns als Schule“, betonte Kloos. Aufgabe einer Schule sei es, mit der Zeit zu gehen, die Schüler auf die Arbeitswelt vorzubereiten und dafür mit Partnern aus der Praxis zusammenzuarbeiten. Bei Berufsinformationstagen und dem regelmäßigen Bildungscafe könne die Klinik künftig auch vor Ort in der Schule präsent sein. „Die Partnerschaft ist also eine Win-Win-Situation für beide Seiten.“