„Unsere Gefäße sind wie Autobahnen: Stauen sich LKW an Baustellen, kommt die Ware nicht im Supermarkt an“

Mit einem bildhaften Vergleich aus dem Straßenverkehr eröffnete Dr. Jost seinen Vortrag: „Sie müssen sich die Gefäße wie Autobahnen vorstellen. Wenn es Engstellen gibt – wie bei Baustellen – stauen sich die LKWs. Und wenn dann die Ware im Supermarkt nicht ankommt, beschweren sich die Kunden. Das sind unsere Organe.“ Der Mediziner erklärte, dass täglich rund 7000 Liter Blut durch das menschliche Gefäßsystem transportiert werden – Arterien versorgen Organe mit sauerstoffreichem Blut, Venen führen das verbrauchte Blut zurück zum Herzen. Kommt es zu Einengungen oder Erweiterungen in diesen Gefäßen, können ernste Beschwerden entstehen: Schmerzen beim Gehen, schlecht heilende Wunden oder Schwellungen der Beine gehören zu den häufigsten Symptomen.
Ein Thema im Publikum war die Vorbeugung: Sollte man beispielsweise Aspirin zur Gefäßprophylaxe einnehmen? „Bitte nicht ohne ärztliche Abklärung“, warnte Dr. Jost. „Acetylsalicylsäure kann in wenigen Fällen Blutungen verursachen, etwa Magengeschwüre. Solche Entscheidungen gehören in ärztliche Hände.“ Auf Interesse stießen auch Hinweise zum Reisen – etwa zur Thromboseprophylaxe auf Langstreckenflügen. Dr. Jost empfahl hier das Tragen von Stützstrümpfen der Klasse 1: „Das reicht für gesunde Menschen vollkommen aus.“
Im Hauptteil seines Vortrags stellte Dr. Jost systematisch die häufigsten Gefäßerkrankungen vor. Bei arteriellen Engstellen, etwa durch Arteriosklerose, sind moderne Diagnoseverfahren wie die Doppler-Sonografie, CT-Angiografie oder MRT heute Standard. Zur Behandlung stehen sowohl klassische Operationen – etwa Bypass-Operationen mit körpereigenen Venen – als auch minimalinvasive Katheterverfahren wie Ballondilatation oder Stentimplantationen zur Verfügung. Bei Erweiterungen der Arterien, sogenannten Aneurysmen, warnte Jost vor einer trügerischen Sicherheit: „Die machen lange keine Beschwerden, aber wenn sie einreißen oder ein Gerinnsel abwerfen, wird es gefährlich.“ Auch hier helfe nur frühzeitige Diagnostik.
Im zweiten Teil des Vortrags ging es um Venenerkrankungen – von Krampfadern bis zu tiefen Beinvenenthrombosen. Die Zuhörer erfuhren, wie Schwellungen, Spannungsgefühle oder dumpfe Schmerzen auf eine Venenverengung hinweisen können. Neben der medikamentösen Therapie und operativen Verfahren wie Stripping oder Verödungen seien Kompressionstherapien von zentraler Bedeutung. Auch hier kamen viele praktische Fragen auf: etwa zur Einordnung sichtbarer Venenveränderungen oder zur Frage, wie man Zugang zur Gefäßsprechstunde erhält. „Der Weg führt über den Hausarzt und einen Facharzt – von dort bekommen Sie eine Überweisung zu uns“, erklärte Dr. Jost.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Thema Prävention – und hier insbesondere auf dem Einfluss des Lebenswandels. „Der wichtigste Risikofaktor ist nicht das Alter, sondern unser Verhalten“, betonte Jost. Rauchen, Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Bewegungsmangel seien die Haupttreiber für Gefäßerkrankungen. Um diesen Risiken zu begegnen, empfahl er unter anderem eine mediterrane Ernährung. Gleichzeitig gab sich der Mediziner realistisch: „Ich weiß, wie wichtig das ist – aber auch ich schaffe es nicht immer, mich optimal zu ernähren.“
Noch stärker als auf die Ernährung setzt Jost auf Bewegung als vorbeugende und therapeutische Maßnahme. „Dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten zügiges Gehen, mit 5-Minuten-Phasen erhöhter Belastung – wenn Sie das konsequent durchziehen, sehen wir nach drei Monaten bereits deutliche Verbesserungen“, erklärte Jost. Die Erfahrung aus seiner Praxis zeige sogar: „Bewegung wirkt manchmal besser als eine Operation.“
Die Mischung aus fundierter Medizin, persönlicher Erfahrung und vielen praktischen Beispielen kam beim Publikum sehr gut an. Der Vortrag von Dr. Jost verband Wissenschaft mit verständlicher Sprache – und machte Mut, selbst aktiv zu werden.
Die Reihe „Treffpunkt Gesundheit“ der Oberschwabenklinik wird regelmäßig mit wechselnden Themen fortgesetzt. Ziel ist es, interessierten Bürgerinnen und Bürgern niedrigschwellige Einblicke in medizinische Fachgebiete zu geben – verständlich, praxisnah und im direkten Dialog mit den Expertinnen und Experten der Klinik.