„Niemand startet allein“: Neues Einarbeitungskonzept stärkt Pflegekräfte am Westallgäu-Klinikum

Mit einem neuen Einarbeitungskonzept unterstützt das Westallgäu-Klinikum neue Pflegefachpersonen beim Einstieg in den Berufsalltag. Das Angebot richtet sich an frisch examinierte Mitarbeitende, Kolleginnen und Kollegen nach längerer Pause sowie neue Beschäftigte von extern - und kommt bei den ersten Teilnehmerinnen bereits gut an.

WANGEN – Als Daniela Margarit vor wenigen Monaten ihre Arbeit in der Pflege am Westallgäu-Klinikum begonnen hat, war die Freude groß - aber auch die Unsicherheit. Die gebürtige Rumänin hatte ihre Ausbildung bereits 2018 abgeschlossen, zog anschließend nach Deutschland, lernte Deutsch, bekam ein Kind und startet nun erstmals in den Pflegeberuf. „Acht Jahre sind vergangen und ich habe vieles vergessen“, erzählt sie. „Am Anfang habe ich mir selbst Druck gemacht. Aber ich weiß: Ich schaffe das.“

Was Margarit in ihrer Situation hilft: Dass sie den Neustart nicht allein bewältigen muss. Seit April gibt es am Westallgäu-Klinikum ein neues Einarbeitungskonzept für Mitarbeitende in der Pflege. Das umfangreiche Fortbildungs- und Begleitprogramm richtet sich an neue Mitarbeitende, frisch examinierte Pflegekräfte oder Kolleginnen und Kollegen nach längerer Pause – etwa nach der Elternzeit.

Die zentralen Praxisanleiterinnen haben das Konzept gemeinsam mit Pflegepädagogin Yvonne Perlberg von der Pflegeschule Wangen sowie der akademisierten Gesundheits- und Krankenpflegerin Nadine Ade entwickelt. „Die Teams auf den Stationen leisten jeden Tag sehr viel“, sagt Nadine Ade, die seit Oktober am Standort Wangen tätig ist. „Mit dem Konzept möchten wir die Stationen entlasten und gleichzeitig neuen Kolleginnen und Kollegen einen besseren Einstieg ermöglichen.“

Das neue Programm ist modular aufgebaut. Neben allgemeinen Grundlagen – den Themen wie Schmerz-, Wund- oder Medikamentenmanagement – gibt es spezielle Module für die Bereiche Innere Medizin, Chirurgie oder Gynäkologie. Themen wie prä- und postoperatives Management, Mobilisation oder Prophylaxen werden praxisnah vermittelt. Die Kurse finden in den Räumen der Pflegeschule Wangen statt und sind fest im Dienstplan als Fortbildung hinterlegt. „Es geht uns dabei nicht nur um Fachwissen“, betont Pflegepädagogin Yvonne Perlberg. „Neue Mitarbeitende sollen Ansprechpartner kennenlernen, Sicherheit gewinnen und das Haus besser verstehen. Gerade durch die generalistische Pflegeausbildung werden manche Themen heute nicht mehr so vertieft behandelt wie früher. Genau dort setzen wir an.“

Die meisten Module werden zwei Mal pro Jahr angeboten, einige sogar vier Mal, damit Mitarbeitende flexibel einsteigen können. Geplant sind etwa 15 Module innerhalb eines halben Jahres. Ergänzend entsteht derzeit ein digitales Modulhandbuch. Die Idee für das Konzept ist über einen längeren Zeitraum entstanden. „Der Wunsch kam direkt von den Stationen, die Themen wurden von den Praxisanleitenden und
-lehrenden gesammelt“, erklärt Perlberg. „Wir haben Vorlagen gesichtet, angepasst und über fast zwei Jahre hinweg weiterentwickelt. Jetzt sind wir froh, dass das Konzept läuft.“

Auch die ersten Rückmeldungen seien überwiegend positiv. Verbesserungsvorschläge fließen bereits in die Weiterentwicklung ein. „In der Gynäkologie wurde beispielsweise der Wunsch geäußert, das Thema Stillen noch aufzunehmen“, sagt Ade. „Genau dafür ist das Konzept da – es soll wachsen und sich an den Bedürfnissen orientieren.“ Wie wertvoll die zusätzliche Unterstützung sein kann, zeigt auch die Erfahrung von Nadine Schuster. Sie hat erst im Januar ihr Examen bestanden und arbeitet seit April im Westallgäu-Klinikum. „Ich nehme alles mit, was ich mitnehmen kann, und lerne sehr gerne“, sagt sie. „Es ist toll, dass Themen hier noch einmal vertieft werden. Das bringt uns für den Start unglaublich viel.“

Auch aus Sicht des Pflegemanagements ist das Konzept ein wichtiger Schritt. „Wir finden es großartig, mit wie viel Energie und Herzblut dieses Projekt umgesetzt wurde“, sagen Sarah Huber und Ludwig Reichelt vom Leitungsteam Pflege- und Prozessmanagement (LPPM). „Es ist eine wertvolle Plattform für neue Mitarbeitende, aber auch für erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Gleichzeitig entsteht ein fachlicher Austausch über Stationen hinweg – und das stärkt unser Miteinander.“ Besonders wichtig außerdem: Viele Inhalte werden von eigenen Fachkräften vermittelt. „Unsere Mitarbeitenden geben ihr Wissen an Kolleginnen und Kollegen weiter – auch das ist eine Form der Wertschätzung“, betonen Huber und Reichelt.

Für Nadine Ade ist genau das einer der wichtigsten Gedanken hinter dem neuen Konzept: „Wir wollen unterstützen, Orientierung geben und Menschen willkommen heißen. Das ist für uns nicht nur Einarbeitung, sondern auch gelebte Wertschätzung.“

 

 

 

 

 

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