Neue Wahlmöglichkeit für werdende Mütter: Hebammengeleiteter Kreißsaal startet am EK Ravensburg

Ab 1. Dezember können Mütter ihre Kinder im EK Ravensburg auf Wunsch auch ohne Beisein eines Arztes auf die Welt bringen – Land fördert Projekt

Kompetent und 24 Stunden rund um die Uhr zu Diensten: die 13 freiberuflichen Hebammen am St. Elisabethen-Klinikum Ravensburg.

Kompetent und 24 Stunden rund um die Uhr zu Diensten: die 13 freiberuflichen Hebammen am St. Elisabethen-Klinikum Ravensburg.

RAVENSBURG – Das St. Elisabethen-Klinikum wartet ab 1. November mit einer modernen Neuerung auf: Gesunde Frauen mit einem normalen Schwangerschaftsverlauf können ab diesem Zeitpunkt eine Hebammensprechstunde besuchen, in der geklärt wird, ob sie von Dezember an im neuen hebammengeleiteten Kreißsaal der OSK ihr Kind auch ohne Beisein eines Arztes auf die Welt bringen können. Bei diesem Modell werden sie individuell und kontinuierlich von einer Hebamme betreut, die ausschließlich für diese Mutter da ist.

„Unser neuer Hebammenkreißsaal wird das geburtshilfliche Angebot für werdende Mütter in der Region Oberschwaben, Bodensee und Westallgäu um eine attraktive und moderne Möglichkeit erweitern. Hier gebe es zuletzt auch eine große Nachfrage“, erläutert Dr. Martina Gropp-Meier, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Elisabethenklinikum. „Die Frauen haben, wenn es die medizinischen Voruntersuchungen bei ihnen und ihrem Kind erlauben, ab dem 1. Dezember die Wahl, wie sie bei uns ihr Kind auf die Welt bringen möchten: stets unter Aufsicht und Betreuung eines Arztes oder nur dann, wenn es medizinisch nötig ist. Das Angebot ist freiwillig, es ermöglicht den Eltern ein intimeres Geburtserlebnis. Auch wenn Frauen nur im Beisein ihrer Begleitperson und einer Hebamme gebären möchten, wird für ihre medizinische Sicherheit stets gesorgt sein. Im Falle von Problemen haben wir immer einen ärztlichen Notdienst im Hintergrund, der sofort bei den Frauen ist und sie versorgen kann, ebenso eine Kinderklinik. Wichtig: Bei medizinischen Auffälligkeiten wird die Hebamme den Wechsel in die ärztlich geleitete Geburtshilfe veranlassen. Auch die Mutter hat während des Geburtsverlaufs jederzeit das Recht auf einen Wechsel in die Ärztebetreuung.“

 

Ida Zirn und Kathrin Heyder, Sprecherinnen der 13 freiberuflichen Hebammen am St. Elisabethen-Klinikum, freuen sich auf den Hebammenkreißsaal: „Wir haben ein sehr erfahrenes Team und werden dort alle gesunden Frauen, die einen unauffälligen Schwangerschaftsverlauf haben und sich das wünschen, auf ihrem Weg zu einer selbstbestimmten und natürlichen Geburt empathisch und eigenverantwortlich begleiten. Gemeinsam möchten wir im EK Geburt neu denken und Frauen darin unterstützen, auf ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und ihre Geburt aktiv und nach ihren Vorstellungen mitzugestalten. Dabei ist es uns wichtig, ihnen die nötige Zeit, eine geschützte Atmosphäre und eine individuelle fachliche Begleitung zu bieten“, so die Hebammen-Sprecherinnen. „Kern des Konzepts wird unsere Eins-zu-eins-Betreuung sein, die ab der aktiven Eröffnungsphase beginnt, ab einem Muttermundbefund von sechs Zentimetern. Bis zur Niederkunft wird die werdende Mutter dann individuell durch eine unserer Hebammen begleitet, die den Geburtsfortschritt überwacht, Orientierung bietet und die Mutter in ihren Entscheidungen unterstützt. Achtung: Aufgrund unserer Dienstzeiten kann während einer Geburt auch ein Wechsel der betreuenden Hebamme stattfinden.“

 

Der Hebammenkreißsaal steht für das Prinzip einer natürlichen Geburt, auf Medikamente und medizinische Eingriffe wird wenn möglich verzichtet. Stattdessen bieten die Hebammen die natürlichen Möglichkeiten der Schmerzlinderung an, etwa Wärme, Wasseranwendungen, Atemtechniken, Massagen oder alternative Bewegungs- und Entspannungsformen. Auch die maximale Bewegungsfreiheit der Schwangeren und die Wahl zwischen unterschiedlichen Gebärpositionen gehört zu den Standards.
 

Prof. Dr. Oliver Rentzsch, Ärztlicher Direktor der Oberschwabenklinik, ist stolz auf das neue Angebot, für das die OSK eine Förderung durch das Sozial- und Gesundheitsministerium in Höhe von 45.936 Euro aus Landesmitteln erhalten hat: „Der Hebammenkreißsaal am EK ist ein weiteres Zeichen dafür, wie nachhaltig sich die Oberschwabenklinik für eine moderne, selbstbestimmte Geburtshilfe einsetzt“, erklärt er. „Es ist ein Alternativangebot, und im Hintergrund haben wir hier immer Ärzte als Backup für alle Eventualitäten – also die nötige Sicherheit und eine ganzheitliche Versorgung, die nur eine große Klinik mit angeschlossener Kinderklinik bieten kann. Wir bieten werdenden Müttern also das maximal mögliche individuelle Geburtserlebnis an bei gleichzeitiger medizinischer Sicherheit. Beide Modelle, der ärztlich geleitete und der hebammengeleitete Kreißsaal, verfolgen dasselbe Ziel: eine sichere, individuelle und bedürfnisorientierte Geburtshilfe zu gewährleisten. Dafür steht die OSK. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hebammen und Ärzteschaft bleibt dabei ein zentraler Bestandteil des neuen Konzepts.“

 

Räumlich und organisatorisch ist der hebammengeleitete Kreißsaal vollständig in die bestehende Geburtshilfe des St. Elisabethen-Klinikums integriert. Der Unterschied zwischen den Betreuungsmodellen liegt vor allem in der Organisation der geburtshilflichen Verantwortung: Während die Geburt im hebammengeleiteten Kreißsaal eigenverantwortlich durch Hebammen betreut wird, erfolgt die Versorgung im ärztlich geleiteten Kreißsaal in gemeinsamer Verantwortung von Hebammen und Ärzteteam.

 

Information zum Ablauf
Damit sich werdende Mütter frühzeitig über das neue Angebot informieren können, bietet die Oberschwabenklinik ab dem 1. November 2026 eine spezielle Hebammensprechstunde an. Die Teilnahme daran ist Voraussetzung für eine Geburt im hebammengeleiteten Kreißsaal.

 

Die erste Vorstellung erfolgt zwischen der 30. und 34. Schwangerschaftswoche. In einem ausführlichen Gespräch werden der Schwangerschaftsverlauf, mögliche Risikofaktoren und individuelle Wünsche der Schwangeren besprochen. Zwischen der 36. und 37. Schwangerschaftswoche findet eine erneute Vorstellung statt. Dabei werden die medizinischen Voraussetzungen nochmals überprüft und der weitere Ablauf gemeinsam geplant.

 

Bei der Aufnahme zur Geburt erfolgt eine finale Einschätzung, ob eine hebammengeleitete Betreuung möglich ist. Die Entscheidung für den hebammengeleiteten Kreißsaal bleibt dabei jederzeit freiwillig. Sollte die Schwangere eine ärztlich geleitete Betreuung wünschen, ist ein Wechsel des Betreuungsmodells jederzeit möglich.

 

Terminvereinbarung für die Sprechstunde:

Telefon: 0751 / 87-47490
Werktags von 16.00 bis 18.00 Uhr

Zur Hebammensprechstunde sollten Mutterpass, Versicherungskarte und der ausgefüllte Behandlungsvertrag mitgebracht werden.

Start der Hebammensprechstunde:
1. November 2026

Start des hebammengeleiteten Kreißsaals:
1. Dezember 2026