Die Kindertraumatologie in Ravensburg hat eine eigene Sprechstunde

Spezialistin Dr. Julia Hofmann behandelt seit April im MVZ Kinder und Jugendliche mit Unfallverletzungen

RAVENSBURG – Kinder und Jugendliche mit orthopädischen Unfallverletzungen haben seit kurzem eine spezialisierte Anlaufstelle in Ravensburg. Fachärztin Dr. Julia Hofmann, Oberärztin der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am St. Elisabethen-Klinikum, leitet seit April jeden Mittwoch eine eigene Sprechstunde für Kindertraumatologie im Medizinischen Versorgungszentrum, das sich im Nordflügel der Klinik befindet.

 

Dr. Hofmann ist bereits die dritte Spezialistin für Kindertraumatologie im Team von Chefarzt Prof. Dr. Jörn Zwingmann. Derzeit absolviert sie die finalen Etappen ihrer Fortbildung, die sie bald mit einem offiziellen Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der entsprechenden Zusatzqualifikation abschließen wird. Die weiteren Experten im EK Ravensburg mit besonderer Expertise in Kindertraumatologie sind Dr. Sylvia Reinhardt, Leitende Oberärztin der Klinik, sowie Prof. Zwingmann selbst.

 

„Diese Sprechstunde ist überregional einzigartig“, sagt der Chefarzt. „Sie bedeutet eine zusätzliche Stärkung dieser Expertise an der OSK und in unserer Region. Sie ist auch notwendig, denn die spezifischen Problemstellungen in der Diagnostik und Therapie von muskuloskelettalen Verletzungen bei Kindern und Heranwachsenden werden in der medizinischen Versorgung nach wie vor unterschätzt. Hier bedarf es fundierter Kenntnisse über die spezifischen Besonderheiten bei heranwachsenden Patienten mit speziellen operativen und konservativen Therapien.“

 

Im Rahmen des berufsgenossenschaftlichen Heilverfahrens hat die Abteilung von Prof. Zwingmann mit dem SAV-Status (Schwerstverletzungsartenverfahren) die höchste Versorgungsstufe erreicht und darf auch schwerste Verletzungen durch Arbeits- oder Wegeunfälle behandeln. Die Klinik ist von der Berufsgenossenschaft als „kindertraumatologisches Referenzzentrum“ anerkannt worden.

 

Die klassischen Verletzungen in der Kindertraumatologie sind unter anderem handgelenksnahe Frakturen, die meist konservativ, also nicht-operativ behandelt werden, sowie ellenbogengelenksnahe Frakturen des Oberarms, die häufig operiert werden müssen. Zumeist kommen sie durch Stürze, Sport- oder Fahrradunfälle zustande und bedürfen spezieller Behandlung – die sie am MVZ seit April bei Oberärztin Dr. Julia Hofmann, einer gebürtigen Ravensburgerin, erfahren.

 

„Die Kindertraumatologie hat extrem viele Besonderheiten, die wir in der Erwachsenenmedizin nicht kennen“, sagt die 34-Jährige „Bei einem wachsenden Skelett gibt es immer auch Wachstumsfugen, also Bereiche am Ende des Knochens, an denen er größer wird. Durch diese Fugen gibt auch ein natürliches Korrekturpotenzial bei spezifischen Verletzungen: Es gibt Verletzungen, die können sich auswachsen, also durch das Wachstum von selbst begradigen. Die Kenntnis, welches vermeintliche Korrekturpotential welche Fuge in welchem Alter hat, muss zwingend bei der Therapieentscheidung vorliegen und umgesetzt werden.“ Auch die spezifischen minimalinvasiven Operationsmethoden werden im gesamten Team von Prof. Zwingmann Tag und Nacht professionell angewendet.

 

Die OP-Methoden sind dabei laut Chefarzt Prof. Zwingmann oft grundverschieden im Vergleich zu den Erwachsenen: „Es wird viel mit titanelastischen Nägeln (TENs oder ESIN) operiert und stabilisiert, etliche OP-Verfahren sind speziell für Kinder und Heranwachsende konzipiert. Die muss man kennen, lernen und anwenden können.“

 

Mehrmals im Jahr trifft sich der Chefarzt mit den 30 bis 40 führenden deutschen Kinderorthopäden, -chirurgen und -traumatologen in der Sektion Kindertraumatologie der DGU. Die Arbeitsgruppe erstellte einen sechsteiligen Fortbildungskurs mit theoretischen und praktischen Inhalten, Prof. Zwingmann war dabei Instruktor und gibt seine Expertise nun weiter.

 

„In unserer Gruppe arbeiten wir wissenschaftliche Fragestellungen auf, geben Therapieempfehlungen heraus und haben auch den multimodularen Fortbildungskurs initiiert für Fachärzte. Wer eine gewisse Zahl von durchgeführten Operationen nachweisen kann und die finale mündliche Prüfung besteht, hat die Zusatzbezeichnung für Kindertraumatologie erworben. Wir wollen diese Kompetenz auf hohem Niveau schärfen, deshalb werde ich mich auch weiterhin als Ausbilder einbringen“, sagt Prof. Zwingmann. Dr. Sylvia Reinhardt, leitende Oberärztin in seinem Team, etwa war im Vorjahr deutschlandweit eine der ersten Teilnehmerinnen, die mit der Abschlussprüfung und ihrem entsprechenden OP-Katalog das Zertifikat Kindertraumatologie erwarb.

 

Auch für das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Ravensburg ist das neue Angebot eine weitere Aufwertung. „Die Kindertraumatologie passt hervorragend zum hausärztlichen, unfallchirurgischen und orthopädischen Angebot in unserem MVZ in Ravensburg und bedeutet für uns einen weiteren Meilenstein. Wir entwickeln unser breites Portfolio in der ambulanten Facharztversorgung mehr und mehr weiter und haben in unseren sechs Facharztzentren inzwischen Spezialisten unterschiedlichster Disziplinen an Bord. Wir freuen uns über die Verstärkung durch Dr. Hofmann“, sagt Geschäftsführerin Stephanie Dreher.