Die 1000. Geburt und ein Zeitungsartikel, der blieb
RAVENSBURG – Ein gerahmter Zeitungsartikel steht auf der Kommode in Johannas Wohnung. Das Papier ist ein wenig vergilbt, die Schrift nicht mehr ganz so frisch wie damals. Aber die Überschrift ist noch gut zu lesen: „1000 Geburten in einem Jahr“. Auf dem Foto liegt ein kleines Mädchen im Bettchen, daneben seine Mutter Ursula und Vater Joachim. Auch die damalige Oberärztin Dr. Angelika Müller und OSK-Geschäftsführer Ulrich Kerle sind auf dem Bild zu sehen. Das Mädchen auf dem Foto ist Johanna Laura Mayer. Geboren am 22. Dezember 1999 um 8.20 Uhr im St. Elisabethen-Klinikum der Oberschwabenklinik - 3470 Gramm schwer und 53 Zentimeter groß. Heute ist Johanna 26 Jahre alt. Der Zeitungsartikel ist geblieben. Und mit ihm eine Geschichte, die in der Familie längst zum Klassiker geworden ist.
„Ich kann mich noch genau an die 1000. Geburt damals erinnern“, sagt Angelika Müller. Die ehemalige Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe war an diesem Morgen dabei. „Das war ganz besonders für uns, weil es das die Jahre zuvor nicht gab.“ Sie weiß noch, dass es sich um einen Kaiserschnitt handelte - und erinnert sich sogar an ein kleines Detail vom Fototermin: „Ich hatte an dem Tag ein T-Shirt mit Punkten an.“ Auch eine persönliche Kuriosität ist ihr bis heute im Gedächtnis geblieben: Ihre eigene Nichte heißt ebenfalls Johanna. Sie wurde 1984 geboren - 15 Jahre vor dem kleinen Mädchen, das im Jahr 1999 als 1000. Baby des Jahres zur Welt kam. „Das war einfach ein Zufall“, sagt Müller. Die Namensvetterin schaute damals sogar im Krankenhaus vorbei, um das besondere Baby kennenzulernen.
Für Johannas Mutter Ursula war die Geburt ohnehin ein besonderer Moment. „Ich wusste morgens nach dem Ultraschall: Heute ist es so weit“, erzählt die heute 62-Jährige. Der Kaiserschnitt war geplant, es war bereits ihr drittes Kind. Kurz vor der Operation erfuhr sie von der besonderen Zahl. Dass ausgerechnet ihre Tochter die 1000. Geburt des Jahres werden würde, wusste zunächst nur die kleine Familie. Am nächsten Tag stand es dann in der Zeitung. „Mein Schwiegervater hat es gelesen“, erinnert sich Ursula Mayer. Er sei so stolz gewesen, dass er den Artikel anschließend überall in der Gegend herumgezeigt habe. Die Familie bewahrte mehrere Exemplare auf. Eines kam ins Fotoalbum, eines blieb bei Johanna. Heute hängt es gerahmt in ihrer Wohnung. Als Kind habe sie die Bedeutung der Geschichte noch nicht richtig verstanden, erzählt sie. Heute findet sie es „super cool“.
Eine Verbindung zum EK schon vor der Geburt
Dass Johannas Geschichte einmal so eng mit dem St. Elisabethen-Klinikum verbunden sein würde, stand dabei schon vor ihrer Geburt fest. Ihre Mutter Ursula hatte selbst einen großen Teil ihres jungen Erwachsenenlebens im EK verbracht. 1982 begann sie dort ihre Ausbildung zur Krankenschwester und wohnte während dieser Zeit im Schwesternwohnheim neben der Klinik. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie zunächst bei der Sozialstation in Ravensburg, bevor sie 1987 ins EK zurückkehrte - diesmal auf die Gynäkologie. „Die Teamarbeit war ganz toll. Wir haben uns alle ergänzt und waren wie Freundinnen“, erinnert sie sich.
Fast 27 Jahre zwischen dem Foto und heute
Für Johanna ist der alte Zeitungsartikel deshalb mehr als eine Erinnerung an ihre Geburt. Er ist ein kleines Stück Familiengeschichte - und ein Zeitdokument aus einer Zeit, in der das St. Elisabethen-Klinikum noch anders aussah und viele der Menschen auf dem Foto längst weitergezogen sind. Angelika Müller etwa kam 1992 als Assistenzärztin ans EK, wurde 1996 Oberärztin und übernahm später zeitweise die kommissarische Leitung der Klinik. Im vergangenen Jahr ging sie in den Ruhestand. Ganz verabschiedet hat sie sich vom EK allerdings nicht: Immer noch unterstützt sie die Ausbildung im Brustzentrum und gibt ihre langjährige Erfahrung an junge Ärztinnen und Ärzte weiter.
Und Johanna? Sie trägt ihren ganz eigenen Platz in der Geschichte des Hauses. Als kleines Mädchen lag sie vor 26 Jahren im Bettchen des St. Elisabethen-Klinikums - und wurde damit zum 1000. Baby eines besonderen Jahres. Der alte Zeitungsartikel erinnert noch heute daran.


