Behandlungsmethode bei Myomen, auch zugelassene Alternative bei Adenomyose: Gebärmuttererhaltende Therapie

Von links: Dr. Philipp Guttenberg, Oberarzt der Frauenklinik sowie Leiter des Endometriosezentrums des St. Elisabethen-Klinikums Ravensburg, Dr. Martina Gropp-Meier, Chefärztin der Frauenklinik des St. Elisabethen-Klinikums Ravensburg sowie Farjad Azad Farbod Oberarzt der Frauenklinik des St. Elisabethen-Klinikums. Bild: Mona Lippisch
RAVENSBURG – Starke Blutungen und Schmerzen bestimmten jahrelang den Alltag einer heute 30-jährigen Patientin aus Ravensburg. Schon mit ihrer ersten Periode begannen die Beschwerden. „Ich hatte sehr, sehr starke Blutungen, die auch nicht wie üblich nach sieben Tagen wieder zu stoppen waren, sondern tatsächlich über Wochen und sogar Monate anhielten“, erzählt sie. Zeitweise konnte sie deshalb nicht zur Schule gehen und keinen Sport treiben. Heute gibt es für die Ravensburgerin neue Hoffnung: Als eine der ersten Patientinnen am St. Elisabethen-Klinikum wurde sie mit dem sogenannten Myoblate-Verfahren behandelt. Die minimalinvasive Methode ermöglicht es, geeignete Myome und in ihrem Fall die Adenomyosis gezielt zu behandeln, ohne in die Gebärmutter hineinzuschneiden. Gerade für Frauen mit Kinderwunsch kann das wichtig sein.
Doch was sind eigentlich Myome? In der Regel handelt es sich bei einem Myom um einen gutartigen Muskelknoten der Gebärmutter. Er kann Beschwerden verursachen, muss aber nicht zwangsläufig behandelt werden. „Wenn Myome Beschwerden machen oder wenn sie sehr schnell wachsen, dann geht es immer um die Frage der Behandlung“, sagt Dr. Martina Gropp-Meier, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Elisabethen-Klinikum. Nicht nur Myome können starke Blutungen und Schmerzen verursachen. Auch bei einer Adenomyose, einer Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut ähnliches Gewebe in der Muskelschicht der Gebärmutter ausbreitet, können die Beschwerden erheblich sein. Für betroffene Patientinnen stellt sich daher ebenfalls die Frage nach einer wirksamen und möglichst schonenden Behandlung.
Welche Therapie infrage kommt, hängt unter anderem von Größe und Lage der Myome bzw. Adenomyoseherde sowie den Beschwerden der Patientin ab. „Danach wird im gemeinsamen Konsens eine Therapie besprochen“, erklärt Dr. Philipp Guttenberg, Leiter der Myomsprechstunde und des Endometriosezentrums am St. Elisabethen-Klinikum. Seit Anfang des Jahres gehört auch Myoblate zum Angebot der Frauenklinik.
Gezielte Behandlung unter Ultraschall
Bei dem Verfahren wird das Myom/ der Adenomyoseherd nicht herausgeschnitten, sondern mithilfe einer speziellen Sonde gezielt verödet. Die Behandlung erfolgt unter Ultraschallkontrolle, die Sonde wird über die Scheide zum Befund geführt. In der Regel bleibt die Patientin nach dem Eingriff eine Nacht stationär im Klinikum. Nicht jedes Myom und nicht jede Patientin eignet sich für die Methode - das wird zuvor individuell geprüft. Für die 30-jährige Ravensburgerin mit überwiegend lokaler Adenomyosis war besonders der mögliche Erhalt der Gebärmutter entscheidend. Im März 2026 wurde sie schließlich mit Myoblate behandelt.
„Das Team hat mich total beruhigt“, erzählt sie heute. Nach einer Woche zu Hause konnte sie bereits wieder arbeiten. Bei der späteren Ultraschallkontrolle zeigte sich ein für sie erfreuliches Ergebnis: „Man sah meiner Gebärmutter die Schädigungen nicht mehr an. Myoblate hat rein vom Ultraschallbild her so funktioniert, wie wir das wollten.“ Noch nimmt die Patientin Hormone. Im November sollen diese abgesetzt werden. Dann wird sich zeigen, wie sich Zyklus und Beschwerden entwickeln. Auch ein Kinderwunsch bleibt grundsätzlich möglich. „Für mich persönlich ist das ein Wunder“, sagt die junge Frau.
Informationsabend am 12. November
Über Myome, Behandlungsmöglichkeiten und das neue Myoblate-Verfahren mit Zulassung zur Behandlung der Adenomyose informiert die Frauenklinik des St. Elisabethen-Klinikums am Donnerstag, 12. November, um 18 Uhr bei einem Informationsabend für Patientinnen, Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Fachpersonal. Dr. Martina Gropp-Meier, Dr. Philipp Guttenberg und Oberarzt Farjad Azad Farbod referieren über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und das neue Verfahren. Ergänzend gibt Daniel Göcke von der UN Kebomed GAS AG Einblicke in die Methode. Bei einem anschließenden Imbiss besteht Gelegenheit zum Austausch. Außerdem ist eine Hands-on-Erfahrung mit dem Myoblate-System geplant. „Wir möchten verständlich erklären, für wen die Methode geeignet ist, wie die Behandlung abläuft und welche Möglichkeiten sie bietet“, sagt Gropp-Meier.