Raucher sind die wahren Außenseiter

Die jungen Raucher von heute sind die Patienten von morgen. Prof. Dr. Günther J. Wiedemann sagt es, um gleich hinzuzufügen: Solche Patienten will er als Arzt am liebsten gar nicht treffen, „wir wollen Gesundheit!“ Seit nunmehr zwölf Jahren hat sich der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Ravensburger EK dem Kampf gegen das Rauchen verschrieben und organisiert Präventionsveranstaltungen für Jugendliche. „Wir haben Erfolg“, freut er sich. Nur noch 7,2 Prozent der Jugendlichen würden rauchen.

Prof. Dr. Günther Wiedemann übergibt Teilnahmezertifikate für die Veranstaltung gegen das Rauchen an Schüler aus Markdorf

Landessozialminister Manfred Lucha besucht Veranstaltung gegen das Rauchen im EK Ravensburg

"Das sind echte Außenseiter", ruft er den 150 Kindern im Foyer des St. Elisabethen-Klinikums zu. 150 Siebtklässler der Ravensburger Gymnasien waren am vergangenen Freitag zu Gast. Am Dienstag kamen weitere 130 Schüler des Bildungszentrums in Markdorf, das bereits seit Jahren die Präventionsveranstaltung im EK wahrnimmt. "Die Gesundheitsförderung gehört in die Lehrpläne", fordert Prof. Wiedemann

Denn für Entwarnung gebe es trotz der zurückgehenden Zahl der jugendlichen Zigarettenraucher keinerlei Einlass: "Jeder fünfte Schüler raucht Shisha!" Ob ein junger Mensch nun raucht oder dampft, für den Chefarzt macht es keinen Unterschied. Gefährlich sei das eine wie das andere.

Eindringlich warnt er vor den Neuentwicklungen, die aus Kalifornien herüber nach Europa schwappen. Ob neuartige E-Sticks oder E-Zigarette, "anstatt am Schnuller zu ziehen zieht man jetzt am Stick. Dabei versteht es der Internist durchaus, weshalb Menschen dem Nikotingenuss frönen. "Es vermittelt ein Gefühl von Glück - vorübergehend."

Langfristig aber werden Raucher überhaupt nicht glücklich. Drei Chefarztkollegen hat Prof. Wiedemann an diesem Vormittag aufgeboten, um den Jugendlichen die Folgen des Rauchens vor Augen zu führen. "Raucher sterben früher", bemerkt Dr. Dominik Jost, Chefarzt der Gefäßchirurgie am EK, kurz und knapp. Rauchen führt zur Verstopfung der Arterien. "Wo Blut ist, da ist Leben", sagt der Chefarzt. Damit gilt auch der Umkehrschluss: Wo kein Blut ist, da gibt es kein Leben mehr. Eindringlich die Bilder von Raucherbeinen, die er auf die Leinwand wirft.

"Wir haben tagaus, tagein mit den Leiden zu tun, die das Rauchen verursacht", berichtet Dr. Dominik Harztheim, Chefarzt an den Fachkliniken der Waldburg Zeil-Kliniken in Wangen. "Die Lunge ist ein guter Freund von uns, der viel von uns abhält", erzählt er den Schülern. "Aber wenn die Freundschaft gekündigt ist, dann gibt es ohne Schaden keinen Weg zurück", schildert er plastisch die Folgen einer "Raucherlunge".

Er hat eine Patientin mitgebracht, die mit 16 angefangen hat zu rauchen. Bis zu einer Schachtel am Tag, erzählt sie. Sie hat das Glücksgefühl erlebt, von dem Prof. Wiedemann sprach. "Mit Rauchen kann man entspannen." 1500 Euro pro Jahr hat sie für das Rauchen ausgegeben. Für das gleiche Geld hätte sie einen Luxusurlaub buchen können. Auffällig nur, dass sie immer husten musste. Im vergangenen August hat sie mit dem Rauchen aufgehört. Und dann kam die fatale Diagnose: Lungenkrebs.

"Ganz hart" sei dieser Moment gewesen, als ihr die Ärzte berichteten, dass in der Computertomographie ein bösartiger Tumor entdeckt worden ist. "Jeder kann aufhören zu rauchen", weiß sie heute. "Egal, ob 30, 40 oder 50 Zigaretten am Tag. Es gibt immer einen Weg." Jetzt macht sie die Chemotherapie durch. Sie zieht vor den Schülern die Mütze herunter und zeigt ihren kahlen Kopf. Die äußerliche Folge. Man hätte in diesem Moment die Stecknadel im Saale fallen hören können.

Auch Prof. Dr. Florian Seeger, Chefarzt der Kardiologie am EK, lässt einen seiner Patienten über das Rauchen und seine Folgen erzählen. Mit zwölf Jahren hat der Mann angefangen zu rauchen, bis zu 60 Zigaretten am Tag. "Ich wusste alles, was passieren kann", berichtet er. Er hat reduziert auf 30 Zigaretten. Dass war zuwenig der Konsequenz, denn der Herzinfarkt kam. Prof. Seeger warnt davor, bei allem medizinischen Fortschritt die Möglichkeiten der Ärzte zu überschätzen. Ein beträchtlicher Anteil der Herzinfarktpatienten würde noch heute innerhalb eines Jahres versterben. Und selbst wenn nicht, seien sie ein Leben lang eingeschränkt.

Unter den Zuhörern ist an diesem Tag auch Landessozialminister Manfred Lucha. Als "trockener Raucher" offenbart er sich, "ich habe vor 13 Jahren zum letzten Mal aufgehört". Auch er habe es cool gefunden, in den Bergen als erster auf dem Gipfel zu sein und dort eine Kippe anzuzünden. "Aber das geht nicht lange gut." Was er den Schülern wünscht? "Ein rauchfreies Leben."