Kleine Verletzung mit schweren Folgen

Lilli hat sich bei einem Unfall im Kindergarten verletzt. Was zunächst nur als kleine Schramme unter ihrem rechten Auge aussah, entpuppte sich später als eine Fraktur des Augenhöhlenbodens. Schwerwiegende Sehprobleme hätten die Folge sein können. Dank einer OP im Ravensburger Krankenhaus St. Elisabeth tobt das kleine Mädchen bereits wieder im Kindergarten mit ihren Freunden.

Auf dem Schoß von Mutter Mirjam Nothelfer kann Lill schon wieder ihren kleinen Bruder Hannes klar sehen.

Als sich Lilli Mitte Januar im Kindergarten anziehen wollte, stieg sie auf einen kleinen Hocker, um ein Kleidungsstück vom oberen Haken zu greifen. Dabei verlor sie das Gleichgewicht und stürzte. Sie muss offensichtlich mit dem Gesicht gegen die Wand geknallt sein. "Es hat nicht schlimm ausgesehen. Sie hatte nur eine kleine Schramme unter ihrem rechten Auge", berichtet ihre Mutter, Mirjam Nothelfer. Sie sah keinen Grund, zum Arzt zu gehen. Doch im Laufe des Abends musste sich Lilli mehrmals übergeben. Sie klagte über Doppelbilder.

Zunächst lautete die Diagnose auf Gehirnerschütterung. Doch Lilli klagte weiter über Doppelbilder. Ihrer Mutter fiel auf, dass sie beim Spielen den Kopf zur Seite neigte. Ihre Bewegungen waren nicht so fließend wie gewohnt. So suchte sie mit ihrer Tochter einen Augenarzt auf. Dieser stellte fest, dass das Auge in der Beweglichkeit eingeschränkt ist und verordnete eine Untersuchung im MRT.

Durch dies Spezialuntersuchung im EK wurde das ganze Ausmaß des Unfalls sichtbar. Es handelte sich um eine sogenannte Blow-out-Fraktur. "Durch den Druck des Aufpralls ist der zarte Boden der Augenhöhle von Lilli gebrochen. Fettmasse rutschte in den Spalt und drückte auf das Auge. Das Auge hat dadurch keinen Halt mehr, wird nach unten gedrückt, so dass die Augenachse verschoben ist", erklärt Dr. Andreas Meiß. Gravierende Seh- und Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und Übelkeit können wie bei Lilli die Folge sein. Der Leiter des Zentrums für Kiefer- und Gesichtschirurgie am EK operierte die Fünfjährige.

Die Planung der OP nahm er mit Dr. Alfons Bernhard vor. Der Chefarzt der Klinik für Neuroradiologie am EK konnte durch seine präzise Diagnostik Dr. Meiß auf den Millimeter genau die Stelle des Bruches zeigen. Bei Kindern sind die Strukturen im Schädel sehr filigran. Der Boden der Augenhöhle ist so dünn wie Pergament. Dr. Meiß entschloss sich für ein sogenanntes PDS-Patch, eine Spezialfolie, die weniger als einen Millimeter dick ist. Erst nachdem die Schwellungen in Lillis Augenhöhle zurückgegangen waren, konnte er operieren.

Das flexible PDS-Patch hat er vor der OP an die Strukturen von Lillis Augenhöhle angepasst. Das Material ist das gleiche wie Nahtmaterial. Es wird vom Körper absorbiert und nach etwa einem halben Jahr von körpereigenem Gewebe ersetzt. Zudem können keine Infektionen auftreten. Das OP-Team ist gut eingespielt. Der Austausch mit dem Anästhesisten ist sehr intensiv, damit dieser bei Bedarf die Narkose permanent anpassen kann. "Auch wenn diese Eingriffe bei uns im EK zur Routine gehören, ist die Augenregion sehr sensibel", erklärt Dr. Meiß. Die OP dauert nur 26 Minuten.

Zehn Tage später zieht der Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Lilli die Fäden unterhalb des Auges. Das dauert nur drei Minuten, erfolgt aber auch unter Betäubung. Dr. Meiß ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Er geht davon aus, dass die kleine Narbe komplett verheilt. "Sieht gut aus", bescheinigt auch Mirjam Nothelfer. Die Mutter von vier Kindern ist froh, dass Lilli im EK in Ravensburg operiert wurde. Eine solche OP wird sonst nur in umliegenden Unikliniken vorgenommen. Dies wäre für sie und ihren Mann mit viel höherem Aufwand verbunden gewesen.




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