Oberschwabenklinik
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30.06.2010

(wil)


Kinderdoktorhut für einen jungen PC-Tüftler

Die Medizinische Kinderakademie der OSK hat einen neuen Kinderdoktor: Benedikt Zimmermann aus Ravensburg. Der 14-jährige Gymnasiast des Bildungszentrums St. Konrad hat ein Computerprogramm geschrieben, das dem Krisenstab die Übersicht über vielleicht lebenswichtige Informationen wesentlich erleichtert, sollte die Evakuierung eines Krankenhauses nötig sein.

Dass ein Krankenhaus ganz oder teilweise evakuiert werden muss, kommt selten vor. In Dresden, Ulm, Trier und Bad Neustadt hat es in den letzten Jahren solche Fälle gegeben. An einer Klinik müssen jederzeit die Vorkehrungen getroffen sein, zum Beispiel im Falle eines Brandes Patienten und Mitarbeiter schnell in Sicherheit bringen zu können. Die Oberschwabenklinik nutzte deshalb Ende letzten Jahres die Verlegung der Intensivstationen des EK ins neue Notfallgebäude dazu, eine Evakuierung zu simulieren. Wie in einem echten Notfall trat der Krisenstab zusammen. Mit Darstellungen auf großen Magnettafeln verschafft er sich einen Überblick über die Situation.

Benedikts Mutter arbeitet im EK und erzählte dem Sohn zu Hause von der Übung. Magnettafeln, so fand der 14-Jährige, sind die Technik von gestern. Zu seinen Hobbys gehört das Programmieren. Mit dem Computer ginge für einen Krisenstab womöglich vieles leichter, ahnte er sofort. Er sprach mit seinen Eltern und setzte sich an seinen PC. „Nach sieben oder acht Stunden war das Programm geschrieben“, erzählt er. „Man kann genau sehen, welche Leute und welche Geräte wo sind.“ „Das Programm bietet schon jetzt gegenüber den Magnettafeln viele Vorteile“, stellte der junge Programmierer selbstbewusst fest.

Er führte seine Entwicklung der erfahrenen Notärztin Dr. Ulrike Korth vom EK vor. Dr. Korth, die Initiatorin der Medizinischen Kinderakademie ist, war begeistert. Für sie war klar, dass Benedikt ein erstklassiges Thema für eine Kinderdoktorarbeit gefunden hat. Mit der Doktorwürde zeichnet die Kinderakademie Jugendliche aus, die sich intensiv mit einem medizinischen Thema beschäftigen. Auch ein Doktorvater für Benedikt war schnell gefunden: Diplom-Mathematiker Jörg Napp, IT-Leiter bei der OSK.

Benedikt setzt sich in seiner Arbeit intensiv mit den Herausforderungen bei der Evakuierung eines Krankenhaus auseinander, stellt sein Programm vor und vergleicht Vor- und Nachteile gegenüber den bisher eingesetzten Magnettafeln. Das Programm ist den Tafeln überlegen, lautet sein Fazit. Wo sich Erweiterungsmöglichkeiten anbieten, hat er ebenfalls bereits analysiert. So lasse sich ein „Zeitstempel“ einbauen, mit dem im Nachhinein nachvollziehbar wäre, wann was passiert ist.

Allein mit dem Schreiben der elfseitigen Arbeit war es nicht getan. Ein Kinderdoktor muss auch eine Vorlesung halten, bevor ihm die Doktorwürde verliehen wird. 240 Kinder hocken auf dem Boden des Gymnastiksaals der Gymnasiumsturnhalle, der bei der Medizinischen Kinderakademie als Vorlesungssaal dient. Benedikt hält seinen Vortrag in freier Rede, fesselt sein junges Publikum fast eine Stunde lang und meistert souverän das Frage-Antwort-Spiel.

Seine Arbeit könnte Kreise ziehen. Beim alle halbe Jahre von der OSK veranstalteten Seminar „Großschadensfall“, bei dem Krankenhausmitarbeiter auf eine eventuelle Evakuierung vorbereitet werden, hat er bereits referiert. Von der Universität Dresden hat er eine Einladung zu einem Vortrag erhalten. Vertreter anderer Kliniken haben bereits angefragt, berichtet IT-Leiter Jörg Napp.“Wir wollen versuchen, ob wir das Programm vermarkten können“, hofft Benedikt. Gut 40 Stunden Arbeit hat der Achtklässler bislang in seine Entwicklung gesteckt. Mit acht Jahren hat er seinen ersten Computer bekommen. Ob die Informationstechnologie einmal nach dem Abitur sein berufliches Feld sein wird, weiß er selbst noch nicht. Sein Talent hat er auf jeden Fall schon einmal bewiesen. 



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Stolz trägt Benedikt Zimmermann den Kinderdoktorhut, den ihm Doktorvater Jörg Napp (links) und Dr. Ulrike Korth (rechts) im Rahmen der Medizinischen Kinderakademie der OSK verliehen haben.