(kk)
Das Krankenhaus St. Elisabeth war eines der ersten Krankenhäusern im Land, das eine auf Schlaganfall spezialisierte Station eingerichtet hat. Ärzte der ersten Stunden sind Dr. Thomas Staudacher und Dr. Christina Rückert, beide Oberärzte der Abteilung für Neurologie. Das EK war 1998 neben dem Universitätsklinikum Heidelberg an einem landesweiten Modellversuch beteiligt. Es sollte bewiesen werden, dass die Behandlung von Patienten mit Schlaganfall an speziell eingerichteten Krankenhäusern erfolgreicher ist als auf einer Normalstation. Im EK sollte die Versorgung im ländlichen Raum untersucht werden. Damals standen zunächst zwei, dann vier Betten zur Verfügung. Nun verfügt die Stroke-unit unter Leitung von Chefarzt Dr. Dietmar Bengel über sechs Überwachungsbetten und 15 postakute Betten. Vor zehn Jahren wurden 400 Patienten mit Schlaganfall behandelt. Letztes Jahr waren es bereits 900. Die Tendenz steigt weiter. Und die Erfolge, die erzielt werden, sind beachtlich. Obwohl sich die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus in dem Zeitraum von 14 auf nur acht Tage reduziert hat.
„Der Schlaganfall ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Wir sprechen von einem medizinischen Notfall. Aber heute ist der Schlaganfall eben auch eine behandelbare Erkrankung“, erklärte PD Dr. Bengel. Der Neurologe zielte auf den früher herrschenden Fatalismus ab. „Das zentrale Probleme ist die irrige Meinung, ein Schlaganfall sei nicht behandelbar. Das ist grundlegend falsch“, betont PD Dr. Bengel. Bei einem Schlaganfall muss schnell reagiert werden. Je rascher ein Patient in eine Stroke-unit eingeliefert wird, desto höher sind seine Überlebenschancen. Die Gefahr bleibender Folgen sinkt ebenfalls drastisch.
Hauptsächlich erleiden ältere Menschen einen Schlaganfall. Ein Drittel der Patienten ist über 80 Jahre alt. Und dennoch kann es jeden treffen. Dr. Rückert belegte dies eindrücklich mit anonymisierten Fällen aus dem Alltag. „Letztes Jahr haben wir Patienten behandelt, die zwischen 16 und 95 Jahre alt sind“, so die Oberärztin. Sie skizzierte den Fall eines 28-jährigen Mannes, der nach fünf Tagen auf der Stroke-unit nach Hause entlassen wurde. Der Mann hat keinerlei Einschränkungen. Aber auch eine 88-jährige Patientin hatte Glück, dass ihre Tochter sofort den Notarzt verständigte. Dieser ließ die Frau ins EK bringen. Sie lebt nun wieder alleine in Ihrer Wohnung und liest nach wie vor viel. „Dieser Fall beweist, dass auch ältere Menschen mit einem Schlaganfall behandelt werden können“, PD Dr. Bengel räumt ein weiteres Vorurteil aus der Welt. Dr. Staudacher bestätigt: „Alter ist kein Grund zu sagen: Da kann man nichts machen.“
In den Vorträgen der Ärzte der Stroke-unit wurde immer wieder betont, dass rasches Handeln entscheidend für den Erfolg der Therapie ist: schnelle Benachrichtigung des Notarztes, umgehender Transport in eine Stroke-unit, sofortige Diagnose und Therapie. An eine Stroke-unit werden hohe Anforderungen gestellt. Ärztliches und pflegerisches Personal muss entsprechenden ausgebildet sein und 24 Stunden verfügbar sein. Die apparative Ausstattung, insbesondere in der Diagnostik, muss dem aktuellen medizinischen Standard entsprechen. Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten gehören zum Behandlungsteam.