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08.02.2010

(kk)


Schwester Barbara Winter ist neue Seelsorgerin

Schwester M. Barbara Winter heißt die neue Seelsorgerin am Krankenhaus Bad Waldsee. Ein Jahr lang war die Stelle nach dem Weggang von Schwester M. Ludwina vakant. Am 18. Januar hat Schwester Barbara Winter ihren Dienst angetreten. „Es war ein positiver Einstieg“, sagt sie.

Seit Mai vergangenen Jahres ist Schwester M. Barbara Winter aus Indonesien zurück. Die Franziskanerinnen von Reute sind seit 45 Jahren in dem Land missionarisch tätig. Schwester Barbara leitete vor Ort 16 Jahre die junge Schwesterngemeinschaft mit ihren Polikliniken, Kindergärten und Schulen, insbesondere Internaten für Mädchen aus entlegenen Dörfern und einem Kinderdorf. Im Mutterhaus in Reute begleitet sie nun ihre Mitschwestern in Indonesien mittels Internet und Skype, Telefonie über das Internet. Auch mit den Missionarinnen in Brasilien steht sie so im Kontakt: „Durch die Zeitverschiebung zwischen den Kontinenten lässt mir diese Arbeit Zeit, mich anderen Aufgaben zu widmen“, lacht die dynamische Franziskanerin.

Seelsorge war ursprünglich nicht der primäre Auftrag von Schwester Barbara. Die gelernte Erzieherin war jahrelang Fachlehrerin an der Sonderschule in Ingerkingen, mit Schwerpunkt Frühförderung, bevor sie nach Indonesien ging. Bei allen erfolgreichen Projekten lernte sie dort auch Not, Elend und Trauer kennen, zunächst nach dem verheerenden Tsunami im Dezember 2004. Noch schlimmer hat allerdings ein Erdbeben drei Monate später die Region der Missionsstationen verwüstet. Ein Bücherregal ist damals in der Nacht auf Schwester Barbara herabgestürzt. „Wir hatten Glück, denn unsere Häuser waren stabil“, erinnert sie sich. Dennoch war sie betroffen von dem Leid: Menschen, die sterben mussten, und Menschen, die in ihrer Trauer und teilweise mit schweren Verletzungen zurückblieben. „Damals wurde mir bewusst, dass die Erde nicht statisch, sondern immer in Bewegung  ist. Erschütterungen können unser Leben immer treffen“, philosophiert sie. Gott stellte sie nie in Frage, „er war immer mit dabei“. 

Eine weitere Schlüsselsituation prägte die in Hüttlingen im Kreis Aalen geborene Franziskanerin. Sie hat noch mehrere Geschwister. Ihr Bruder bat sie vor Jahren, wieder in die Heimat zurück zu kehren. Lange hatten sie sich nicht gesehen. Kurze Zeit später hatte er einen Unfall. Zwei Jahre lang lag er im Koma. Heute kann er wieder kurze Strecken laufen, einfache Sätze sprechen. „Seine Situation hat mich den Kranken näher gebracht“, blickt sie zurück. Schwester Barbara Winter wurde bewusst, dass Kranke menschliche Nähe benötigen. Doch nicht nur sie. „Auch die Angehörigen darf man in ihrer Trauer, in ihrem Schmerz nicht alleine lassen. Sie schöpfen Mut, wenn sie spüren, dass  jemand da ist, der mit ihnen fühlt“, erklärt sie. In den Monaten, seitdem sie wieder in Reute ist, entwickelte sich die Berufung zur Seelsorgerin. Ihr wurde bewusst, wie wichtig es ist, diese Aufgabe, vor allem im nahe liegenden Krankenhaus Bad Waldsee  wahrzunehmen.

Bereits an ihrem ersten Arbeitstag wurde sie zu einer Sterbenden gerufen. Gemeinsam mit der Patientin und deren Schwester hat sie gebetet. Sie merkte, dass solche Augenblicke auch für die Angehörigen schwer sind. „Das war für mich ein positiver Einstieg – wenn auch ein Steileinstieg“, so Schwester Barbara. Von den Kollegen im Haus wurde sie herzlich aufgenommen. „Ich habe gespürt, wie sehnlichst ich erwartet wurde. Die Krankenschwestern und Ärzte schätzen die Bedeutung der Seelsorge“, beschreibt sie ihre Aufnahme. Die Zusammenarbeit bezeichnet sie als sehr wichtig und gut. Die Krankenschwestern machen darauf aufmerksam, wer Beistand benötigt. Auch mit der evangelischen Seelsorgerin, Pfarrerin Katharina Rilling, pflegt sie engen Kontakt. Regelmäßig tauscht sie sich mit Schwester M. Gudrun Härle, Seelsorgerin im Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg, aus.

Die Franziskanerin erzählt lebhaft und leidenschaftlich. Ihre positive Energie ist spürbar. Mit einem Lächeln und mit funkelnden Augen berichtet sie von einer weiteren Begegnung in Waldsee. Ein Patient begrüßte sie mit den Worten: „Ich muss sie enttäuschen. Ich bin Atheist.“ Er habe sich mit Gott auseinandergesetzt und ihn nicht gefunden. Schwester Barbara kam mit dem Mann ins Gespräch. Die Auseinandersetzung mit ihm fand sie interessant. „Ich freue mich, dass er auf diese Begegnung eingegangen ist. Es war eine gute Erfahrung, mir wurde der Pluralismus unserer westlichen Welt bewusst,“ sagt sie. Für sie war klar: Er war auf der Suche nach Gott.

Am Sonntag wird sie wieder für zwei Wochen nach Indonesien fliegen. Sie unterstützt ihre Mitschwestern bei der Organisation einer großen Versammlung im September. In dieser Zeit organisiert die Hospizgruppe Bad Waldsee die Seelsorge. Die ehrenamtlichen Helfer haben sich im letzten Jahr schon unermüdlich um die Patienten des Krankenhauses gekümmert.



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Schwester M. Barbara Winter sucht den Kontakt zu den Patienten. Mit Gabriele Nagy aus Aulendorf unterhält sie sich über ihre Hüftoperation.