Oberschwabenklinik
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27.01.2010

(kk)


Hilfe für Krisengebiete muss professionell sein

„Wir sind von den aktuellen Bildern vom Not und Leid der Menschen in Haiti zutiefst betroffen“, mit diesen Worten hat Dr. Jan-Ove Faust die Zuhörer begrüßt. Die Oberschwabenklinik und die Akademie Gesundheitsberufe haben über die Arbeit von Hilfsorganisationen in Krisengebieten informiert.

„Wie können wir mit unseren Mitteln in der Region helfen?“, fragte der Direktor für Medizin und Behandlung der OSK. Die Veranstaltung sollte ein Forum bieten, wie auch zukünftig in notleidenden Gebieten geholfen werden kann.

Schon in der Begrüßung stellte die Leiterin der Akademie, Ingrid Jörg, klar, dass an diesem Abend keine Soforthelfer für Haiti rekrutiert werden sollen. Vielmehr ging es den Veranstaltern darum, Einblicke in die Arbeit von Hilfsorganisationen zu bieten. Aus eigener Erfahrung von Einsätzen konnten die Referenten berichten.

Elgin Hackenbruch, Mitarbeiterin der Akademie Gesundheitsberufe, ist Gründungsmitglied von Ärzte ohne Grenzen e. V. Sie stellte die zehn Schwerpunkte der Arbeit in Krisengebieten vor. Ärzte ohne Grenzen sei nur beispielhaft für alle anderen Hilfsorganisationen, die professionelle Hilfe vor Ort leisten. Die gute Zusammenarbeit aller Hilfsorganisationen sei Voraussetzung, um gute Arbeit zu leisten. Aber: Hilfe muss von professionellen, gut eingespielten Organisationen geleistet werden. Spontaner Aktionismus bewirke das Gegenteil. Dies stellte Dr. Klaus Volmer klar.

Dr. Amy Neumann-Volmer erzählte von einem ihrer vielen Einsätze. Die Ärztin aus Amtzell war im Jahr 2008 in Haiti. Damals verwüsteten verheerende Stürme das Land. Die Bilder gleichen sich. „Wo fängt man an?“, diese Frage stellte sich damals die Ärztin angesichts der desolaten Lage. Die medizinische Versorgung sei nicht vorrangig. Vielmehr gelte es, die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen und hygienische Infrastrukturen aufzubauen, um Seuchen zu verhindern.

Nur ein Drittel der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind ohnehin Ärzte. Ein weiteres Drittel sind Pflegefachkräfte. Den Rest machen verschieden Berufsgruppen aus: Logistiker, Techniker, Architekten, Handwerker. „Ohne eine funktionierende Logistik ist keine medizinische Hilfe möglich“, so Dr. Volmer. Elgin Hackenbruch stellte klar, dass pflegerische Arbeit nicht unbedingt im Vordergrund der Tätigkeit einer Krankenschwester stehe: „Sie müssen organisieren, improvisieren und auch verwalten.“ Dies bestätigte Dr. Neumann-Volmer. „Vor zwei Jahren musste zunächst eine Lagerhalle zum Krankenhaus umfunktioniert werden, bevor ärztliche Tätigkeit stattfinden konnte“, berichtete die Ärztin. Nach den Einsätzen auf dem Land packte sie beim Umbau noch selbst zu. Elementar sei es auch, die Bevölkerung in den Aufbau zu integrieren. Bei der Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser und anderen Hilfsmittel sind sie eine wertvolle Unterstützung.

Die Referenten gaben Tipps für Menschen, die sich in Hilfsorganisationen engagieren wollen. Eine persönliche Auseinandersetzung mit einem Auslandseinsatz sei elementar. „Internationale Gesundheit geht uns alle an“, betont Elgin Hackenbruch. Doch müsse sich jeder selbst fragen, ob er - die beruflichen Qualifikationen vorausgesetzt - tatsächlich geeignet sei. Der Einsatz ist belastend. Nach einer Bewerbung bei der entsprechenden Organisation greift ein selektives Auswahlverfahren. Wer genommen wird, wird kontinuierlich auf Einsätze in Krisengebieten vorbereitet.

Dr. Jan-Ove Faust zog eine positive Bilanz dieser Informationsveranstaltung. Der Abend habe gezeigt, wie wichtig professionell vorbereitete Hilfe sei. Die Oberschwabenklinik stellt bereits Mitarbeiter, die in Hilfsorganisationen engagiert sind, für medizinische Nothilfe in Krisenregionen frei. „Wir wollen jedoch weitere Kontakte aufbauen, um konkret zu helfen. Alleine kann die OSK nicht viel bewirken. Nur mit erfahrenen Organisationen können wir uns einbringen“, so Dr. Faust. Er stellte in Aussicht, dass Kinder aus Haiti in einem Krankenhaus der OSK operiert und behandelt werden. Diese Hilfe wurde auch schon Kindern aus Afghanistan und Togo zuteil.



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Dr. Amy Neumann-Volmer (links) und Elgin Hackenbruch berichteten von ihren Einsätzen für Ärzte ohne Grenzen e. V.