Oberschwabenklinik
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03.12.2009

(kk)


Demenz fordert die gesamte Gesellschaft

Vor 30 Jahren war die Krankheit noch nicht Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Heute stellt sie eine der größten Herausforderungen für die Gesellschaft dar. Die Rede ist von Demenz.

Die verbreiteste Form von Demenz ist die Alzheimer-Erkrankung. 200 Experten aus verschiedenen Berufsgruppen diskutierten Lösungsansätze auf der überregionalen Fachtagung. Veranstalter war die Akademie Gesundheitsberufe Bodensee-Oberschwaben.

Ingrid Jörg eröffnete zum ersten Mal als Geschäftsführerin der noch jungen Akademie Gesundheitsberufe die Fachtagung. Sie skizzierte kurz die Dimension dieser Krankheit. „Es sind nicht nur alle Einrichtungen des Gesundheitswesens betroffen. Demenz stellt auch ein gesellschaftliches und somit ein volkswirtschaftliches Problem dar“, so Jörg in ihrer Begrüßung.

„Man kennt mich als Krankenhausmanagerin. Heute spreche ich als Volkswirtin zu Ihnen“, sagte die erste Referentin, Dr. Elizabeth Harrison. „Eine alte Gesellschaft verlangt neue Versorgungsformen“, war der Titel des Vortrags der Geschäftsführerin der Oberschwabenklinik. Angesichts der dramatischen Entwicklung sprach Harrison von einer weltweiten Herausforderung. „Wie stellen wir uns auf die Versorgung dieser Menschen ein?“, fragte sie. Im Fokus hatte sie neben der medizinischen Versorgung auch kulturelle und städtebautechnische Aspekte, um diesen Menschen gerecht zu werden. Der Landkreis Ravensburg ist bereits gut aufgestellt. er Verfügt über ein Netzwerk ambulanter Versorgung und kompetenter Beratungsstellen für Angehörige. Dies wurde sowohl in dem Vortrag von Brigitte Restle, Netzwerk Demenz des Landkreises, wie auch in dem von Sieglinde Zimmer-Meyer, „Zuhause Leben“, deutlich.

Der vierte Altenbericht der Bundesregierung bezeichnet Demenz als eine der häufigsten und folgenreichsten Erkrankungen im Alter. immer mehr Menschen, die im Krankenhaus aufgenommen werden, haben die Begleitdiagnose Demenz. „Die Krankheit verursacht hohe Kosten, weil die Betreuung intensiv und der Pflegeaufwand hoch sind“, so Harrison. Die Behandlung ist komplex. Ein Krankenhaus müsse sich zusätzliche Fachleute ins Haus holen. Harrison sieht einen hohen Weiterbildungsbedarf auf dem Gebiet. Die Frage sei auch, wie viel finanzielle Mittel die Gesellschaft für die Versorgung Demenzkranker investieren will. Harrison fordert eine qualitativ hochwertige Versorgung dieser Menschen. Qualität bedeute eine abgestimmte und ganzheitliche Betreuung. „Eine angemessene Behandlung zeigt unseren Respekt für diese Menschen. Ich appelliere an die Menschlichkeit“, schloss Harrison ihren mitreißenden Vortrag.

Privatdozent Dr. med. Dietmar Bengel beleuchtete Demenz aus medizinischer Sicht. Als Hauptursache für die zunehmende Häufigkeit dieser Krankheit macht Bengel die alternde Gesellschaft aus. „Mit jeder Lebensdekade verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Und es kann jeden treffen“, sagt Bengel. Eine neuere Studie zeigte, dass genetische Faktoren zu knapp 80 Prozent zur Entstehung einer Demenz beitragen. Der durchschnittliche zeitliche Verlauf beträgt sieben bis neun Jahre, „Durch Medikamente kann man den Verlauf um ein bis zwei Jahre verzögern. Wichtig sind eine frühe Diagnose und eine rechtzeitige Therapie“, so Bengel. Doch eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Von irgendwelchen „Mittelchen“ zur Prävention hält er nichts. Doch solle man die 20 Prozent, die man beeinflussen kann, auch nutzen. Durch geistige und körperliche Aktivität können man der Entstehung entgegenwirken. Bengel rät auch zum Genuss: „Alkohol in Maßen schützt nachweislich vor der Entstehung  Demenz.“



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Privatdozent Dr. med. Dietmar Bengel diskutiert mit den Teilnehmern der überregionalen Fachtagung. Ingrid Jörg (im Hintergrund) moderiert die Veranstaltung.